Diversität im Team, aber nicht in der Vision eines Startups

Vision Board für Startups vor dem Gründen, Unternehmensziele und Werte eines Unternehmens

In unserer Podcastfolge Das Gründerteam haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, ein möglichst heterogenes Team mit unterschiedlichen Qualifikationen und Persönlichkeiten aufzustellen. Doch in einer Sache sollten alle Teammitglieder gleich handeln und denken – der Vision des Unternehmens. 

Wieso überhaupt eine Vision? 

Mit einer Unternehmensvision malt man ein großes Bild der Zukunft. Wo geht die Reise hin und welche Werte sind dabei relevant? Eine gemeinsame Vision setzt ungeahnte Kräfte frei. Die richtige Vision begeistert Menschen. Gemeinsam stellt man ein gleiches Verständnis für das Unternehmen her. Unabhängig davon, ob es sich um ein Gründerteam aus zwei Personen oder einem großen Betrieb mit hunderten Angestellten handelt. Die gemeinsame Vision verbindet, treibt an und stellt dabei eine Orientierung für alle Mitwirkenden dar. 

Was ist eine Unternehmensvision?

Bei einer Unternehmensvision handelt es sich um die Vorstellung des Zustand, den man mit dem eigenen Unternehmen zukünftig erreichen möchte. Dabei ist es wichtig, die Vision positiv und motivierend zu formulieren. Man drückt damit aus, wo und wofür man in naher bis ferner Zukunft stehen möchte. Dabei geht es nicht ausschließlich um wirtschaftliche Ziele. Vielmehr zählen die Werte und Einstellung im Unternehmen und wie es sich nach außen präsentiert. 

„Die schönste Form nachhaltiger Mobilität.“

Die Vision von Audi

„Unsere Vision ist es, den vielen Menschen einen besseren Alltag zu schaffen. Wir möchten, dass unser Geschäft eine positive Wirkung auf die Welt hat – angefangen dort, wo wir unsere Materialien beziehen, bis hin zu der Art und Weise, wie wir unseren Kunden helfen, zu Hause ein nachhaltigeres Leben zu führen.“

Die Vision von Ikea

„Der Klimawandel, Armut, Krankheiten, die Verschmutzung von Grundwasser aber auch die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich sind nur einige der Herausforderungen, denen unsere Welt heute gegenübersteht. Wir wollen Verantwortung übernehmen und glauben daran, dass Unternehmen nicht Teil des Problems sein sollten sondern der Lösung. Das Ganze wollen wir dann auch noch sexy machen.“

Die Vision von einhorn

Welchen Stellenwert hat die Vision im Unternehmen?

Hanna und ich arbeiten schon seit ein paar Monaten zusammen an unserer Idee. Natürlich haben wir uns in der Zeit über verschiedene Dinge ausgetauscht, haben die Idee und das Konzept dahinter entsprechend ausgerichtet und sind weiter vorangeschritten. Doch wir haben nie darüber gesprochen, was ist, wenn wir alles erreichen können, was wir wollen? Vielleicht auch ein Stück weit aus der Angst heraus, was passiert, wenn unsere Vorstellungen auseinander gehen? Doch eben das ist der springende Punkt. Wenn wir nicht klar untereinander ausmachen, was unsere Ziele sind, fällt es umso schwerer, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Man überlegt sich fünfmal, was der nächste Schritt ist, ob der Partner auch in die gleiche Richtung gerade denkt und wo kann man sich vielleicht in der Mitte treffen? Damit meine ich nicht, dass bis ins kleinste Detail alles bestimmt werden muss. Im Gegenteil. Es ermöglicht jedem ein großes Stück Freiheit. Dadurch, dass man sich bewusst ausgetauscht und gemeinsame Ziele festgesteckt hat, ist man selbst viel freier in seinem Handeln und dadurch auch effektiver. Angenommen man macht dies nicht, bleibt die ewige leise Stimme im Hinterkopf, die sich fragt, handelt mein Partner gerade auch in meinem Sinne und ich in seinem? Diese Ungewissheit ist gefährlich für das Team und das Unternehmen selbst. 

Zu Beginn einer Unternehmensgründung ist es daher nicht nur wichtig sondern essentiell, eine gemeinsame Vision auszuarbeiten. Hat man dies getan, leiten sich dadurch die Mission, Motivation, Strategie und letztlich der Aktionsplan ganz automatisch ab. 

Mission

Bei der Mission handelt es sich um ein konkretes Statement. Das Unternehmen bekennt sich zu bestimmten Werten, die es vertritt. Damit verkörpert die Mission den Auftrag eines jeden Unternehmens und setzt die Vision letztlich in die Realität um.

Motivation

Die Motivation beschreibt den Motor, der das Ganze ins Rollen bringt. Sie dient als Antriebskraft. Hinter dem Erreichen von Zielen steckt immer eine entsprechende Motivation. Auch im Privatleben. Die Motivation kann unterschiedliche Motive beinhalten, welche unser tägliches Handeln bestimmen. Somit auch das Handeln als Unternehmen im Gesamten.   

Strategie

Mit der Vision wurden zu Beginn unter anderem Unternehmensziele definiert und bis wann diese erreicht werden sollen. Die Strategie beschreibt nun den Weg dahin. Man versteht darunter das längerfristig ausgerichtete, planvolle Anstreben der konkreten Ziele. 

Aktionsplan

Um die ausgearbeitete Strategie umzusetzen, bedarf es kurz- oder mittelfristige Maßnahmen. Diese werden im Rahmen eines Aktionsplans festgehalten. 

Ohne die Definition einer gemeinsamen Vision ist es nur schwer möglich auf Handlungsebene eine Linie zu fahren. Und natürlich fällt es einem selbst viel leichter, Kontrolle und Vertrauen an Geschäftspartner und Mitarbeiter abzugeben (und ich bin ein wahnsinniger Kontrollfreak), wenn man genau weiß, dass diese zu jeder Zeit im Sinne des Unternehmens handeln. 

Aber kommen wir nun zu unserer Umsetzung dieser romantischen Idee. Wir haben uns bewusst Zeit genommen, uns mit der Definition einer gemeinsamen Vision zu beschäftigen. Auf einer grünen Wiese im Park saßen wir bei Sonnenschein. Damit wir unsere Gedanken besser sortieren können, haben wir drei weiße Blätter zwischen uns gelegt und mit der Ausarbeitung eines Vision Boards begonnen. 

Das Vision Board als Maßnahme

Die Idee hinter einem Vision Board ist ganz simpel. Das Ziel liegt zum einen darin, eine Vision klar zu definieren und zum anderen, diese zu visualisieren. Wünsche, Träume, Sehnsüchte und Lebensvisionen nehmen somit Gestalt an und lassen sich in einem Vision Board und damit auch in unseren Köpfen manifestieren. Mit Hilfe von Bildern, Zitaten, Illustrationen, Fotos und Texten fügt man die gemeinsam erarbeitete Vision als Collage zusammen.

Indem man die Vision visualisiert und manifestiert, richtet man sich unterbewusst danach aus. Und zwar jeden Tag aufs Neue. Dies macht Sinn und bringt einen selbst, sowie das Unternehmen weiter. Mit der Ausrichtung und dem Fokus empfängt man (bewusst sowie unbewusst) genau die Impulse, die einen tatsächlich weiterbringen. Schließlich sagt man nicht ohne Grund, dass einem besonders dann schöne Dinge begegnen, wenn man sich dahingehend innerlich ausrichtet. Wenn man nun vor der nächsten Herausforderung steht weiß man eigentlich ganz genau, was die nächsten richtigen Schritte sind. Man handelt im Einklang mit der Vision, genau wie alle anderen im Team. 

In 4 Schritten zum eigenen Vision Board

Bei der Ausarbeitung einer Vision ist es wichtig, Groß zu denken. Lass dich nicht durch die innere Stimme beeinflussen, die dich nur einschränken will. Es gibt in diesem Fall kein „kann ich nicht“, „werde ich eh nicht schaffen“ oder „das ist unmöglich“. Wenn du alles Denkbare erreichen könntest, was wäre dann dein Ziel? Welcher Gedanke lässt dein Herz höher schlagen? Was ist dein größter Traum oder welches dein größtes Ziel?

Lege den Fokus des Vision Boards fest

Die eintreffenden Gedanken sollten in verschiedene Bereiche eingeteilt werden. Da es in unserem Fall um die gemeinsame berufliche Erfüllung geht, fokussieren wir diese Impulse, um daraus die Vision des Unternehmens zu formen. Erstellt man für sich als Privatperson ein Vision Board, kann man das natürlich auch auf die persönliche Gesamtsituation beziehen. Weitere Bereiche können in diesem Fall Familie & Freunde, Liebe & Partnerschaft & Sexualität, Sport & Gesundheit, Spiritualität, räumliche Umgebung, Geld & Finanzen sowie Kreativität, gesellschaftliches Engagement und Freizeit & Abenteuer sein.

Lass die Ideen sprießen

Hast du dich für einen Fokus entschieden geht es nun um die Wurst. Vielleicht magst du auch kurz die Augen schließen und tief in die hineinhören. Welcher Gedanke lässt dein Herz höher schlagen und bringt deine Augen zum Leuchten? Es macht Sinn, die Ziele und Träume in den unterschiedlichen Bereichen in Zeiträume einzuteilen. Gerade weil die Ziele groß gesteckt sein dürfen (sollen) macht es keinen Sinn, solche direkt für morgen festzusetzen. In den meisten Fällen gestaltet es sich schwierig, die Umsetzung des Herzenswunsches aus Morgen zu verlegen. Mach es dir einfacher. Setze dir Ziele für in einem Jahr, in 5 Jahren und in 15 Jahren. Für die jeweilige Zeitspanne haben wir also ein weißes Blatt verwendet. Hanna und ich haben nun abwechselnd unsere Gedanken, Wünsche und Einfälle ausgesprochen und alles niedergeschrieben. Dabei war uns wichtig, in keinem Fall das Genannte das anderen in irgendeiner Weise zu bewerten. Wo anfänglich vielleicht eine kleine Angst herrschte, dass wir aufgrund unserer Unterschiedlichkeit auch unterschiedliche Vorstellungen haben, war nun nur noch Begeisterung für den Moment. Es entstand ein offenes und ehrliches Gespräch und siehe da, unsere Vorstellungen waren gar nicht so verschieden, beziehungsweise schließen sich nicht gegenseitig aus. 

Visualisiere deine Gedanken

Jetzt wo alle Einfälle zu Papier gebracht wurden, geht es um die Visualisierung dieser und die eigentliche Gestaltung des Vision Boards. Wir haben uns dazu entschlossen, dies auf digitalem Wege anzugehen. Alternativ dazu ist es natürlich auch möglich ein analoges Vision Board zu gestalten. Dazu können Bilder ausgedruckt, Schriftzüge aus Zeitschriften ausgeschnitten oder Postkarten und Sticker mit ansprechendem Inhalt verwendet werden. 

Das Ziel: Gib den Gedanken nun ein Bild. Wer denkt „ab diesem Punkt bin ich raus“ – abwarten! Dieser Schritt hat nämlich nicht nur einen ästhetischen Hintergrund, meine Lieben. Der Mensch nimmt visuelle Reize eher wahr als alle anderen. Wir haben fünf Sinne – unsere Augen spielen dabei die Hauptrolle. Rund 80% aller Informationen nehmen wir durch Sehen war. Das heißt für die anderen Sinne bleiben lediglich knapp 20% übrig. 

Ich habe in der Uni das Fach “Mobile Reporting” belegt. Es ging darum, mit dem Handy eine kurze Reportage zu drehen, anschließend zu schneiden und mit Ton zu hinterlegen. Uns wurde schon vor den Dreharbeiten gesagt, dass wir darauf achten sollen, dass unsere Bilder immer zu den Textpassagen passen müssen. Das macht Sinn. Allerdings haben wir erst beim späteren Vertonen gemerkt wie essentiell es ist, das alles exakt durchzuplanen. Man kann gegen ein Bild nicht mit Worten angehen. Steht eine lila Kuh auf einer Wiese und der Sprecher vertont das Bild mit “rote Kühe sind besonders freundlich…”, wird es viel schwieriger für den Rezipienten, diese Message aufzunehmen, da die zu sehende Kuh lila ist. Im Fachjargon sagt man dazu Text-Bild-Schere. 

Mit Hilfe des Vision Boards machen wir uns diese Eigenschaft des menschlichen Gehirns zu nutzen. Wir versuchen dadurch die Botschaft auf der einen Seite für uns zu erarbeiten, aber gleichzeitig diese auch dem Gehirn jeden Tag aufs Neue mitzugeben. Zu einer visuellen Darstellung von Botschaften zählen sowohl Bilder als auch Texte. Die Verarbeitung dessen ist jedoch verschieden. Buchstaben sind quasi einzelne Bilder. Damit daraus ein Wort wird, muss das Gehirn diese zusammenfassen. Der Prozess der Erschließung einer Bedeutung dauert demnach bei Texten länger und ist wesentlich komplexer. Handelt es sich dann noch um mehrdeutige Begriffe, Ironie oder verschachtelte Satzstrukturen, bedeutet das eine enorme Anstrengung für das menschliche Gehirn. Bei Bildern und Symbolen kann das Gehirn jedoch innerhalb weniger Nanosekunden die Bedeutung greifen. Halte demnach das Vision Board so einfach wie möglich und verzichte auf lange Textpassagen. 

Finden den perfekten Ort 

Nun ist es fast geschafft. Die Vision ist ausgearbeitet und wurde visualisiert. Jetzt fehlt es lediglich an der perfekten Platzierung des Vision Boards. Eintüten und Abheften macht keinen Sinn. Eine geeignete Platzierung ist ein Ort, an dem du viel Zeit verbringst, damit du so oft wie möglich mit dem Board konfrontiert wirst und das zu Papier gebrachte von ganz alleine verinnerlichst. Da wir uns sowieso für ein digitales Vision Board entschieden haben, lässt sich dieses ganz einfach als Bildschirmhintergrund verwenden. Jeden Morgen, wenn ich meinen Laptop starte, werde ich mir unserer gemeinsamen Vision bewusst. Ebenso, wenn ich ihn wieder schließe. Das berührt mich und treibt mich an. Eine weitere gute Möglichkeit wäre das Aufhängen neben dem Badezimmerspiegel oder als Essensunterlage. Auch hier sind einem keine Grenzen gesetzt. 
Für den einen mag dieses Thema vielleicht unnötig erscheinen oder lediglich als „nice to have“. Für mich (und ich bin mir sicher, da spreche ich auch für Hanna) wird dieser Tag in Ewigkeit in meinem Herzen präsent sein. Ganz davon abgesehen, dass es dringend nötig war, die Unternehmensvision zu Papier zu bringen, hat diese Maßnahme die Verbundenheit in unserem Team erhöht und das Unternehmen im Wachstum einen großen Schritt vorangebracht. Was im Anschluss noch passiert ist, kannst du auch nochmal in unserer Podcastfolge nachhören.

Author
Lena

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