Kolumne Teil 5 – konstruktive Kritik im Praktikum und wie ich damit umgehe

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Lena

Konstruktive Kritik ist in jedem Unternehmen etwas unvermeidliches. Dies gilt genauso für jedes Hobby, jeden zwischenmenschlichen Kontakt und das eigene Vorankommen. An Kritik wächst man, lernt neues dazu und kommt im Leben voran. Weil das Thema Kritik  jedoch in einem Praktikum, und vor allem in einem Praktikum in einem Start-up nochmal differenziert zu betrachten ist, widme ich diesem Thema meine fünfte und somit vorletzte Kolumne. 

Ein Praktikum zu absolvieren heißt vor allem: viel lernen. Man lernt nicht nur einen neues Unternehmen kennen, sondern auch neue Kolleg:innen, Arbeitsweisen, Themengebiete und so weiter…

Es wird viel Zeit benötigt, sich in der neuen Position einzufinden und bei den aktuellen Themen mitreden und den anstehenden Aufgaben mitarbeiten zu können. Und so habe auch ich einige Zeit benötigt, bis ich mich als richtiger Teil des Teams verstand. 

Nun tickt die Uhr des Unternehmens jedoch weiter. Es haben nicht alle Mitarbeiter:innen sehnlichst nur auf den Praktikanten oder die Praktikantin gewartet und nehmen sich nun alle Zeit der Welt, diesen oder diese einzuarbeiten und lassen dafür alles andere stehen und liegen. Selbstredend ist zu Beginn etwas mehr Zeit zu investieren, aber dennoch muss das Unternehmen weiter funktionieren und Leistungen erbringen. In einem Start-up, und vor allem in einem Start-up mit wenigen Mitarbeiter:innen, ist dies sogar noch etwas begrenzter. So wird einem vieles erklärt und man kann natürlich jederzeit jeden fragen, wenn es ein Problem gibt, aber dennoch sind alle so in ihre eigenen Themen vertieft, dass nicht immer sofort jedes Problem und jede Frage ausführlich diskutiert und analysiert werden kann. Dazu kommt, dass man selbst auch sofort Aufgaben erhält, welche es abzuarbeiten gilt. Diese werden zunächst intensiv kontrolliert, ich erhielt jedoch im Laufe meines Praktikums häufig die Möglichkeit, auf eigenen Füßen zu stehen und Aufgaben selbstständig zu absolvieren. Wer an dieser Stelle übrigens denkt, ich möchte hier ein Exempel statuieren und dies als Abschreckung für zukünftige Anwärter:innen darstellen, der irrt sich. Es gibt kein besseres Gefühl, als in einem Start-up einen wertvollen Beitrag zu leisten und zu wissen, dass dies eine große Hilfe war und das Unternehmen vielleicht sogar ein Stück voranbringen wird. Was ich jedoch sagen will ist, dass es von Anfang an eine gewisse Verantwortung gibt, mit welcher der Praktikant bzw. die Praktikantin umgehen muss oder lernen damit umzugehen. Und was mit dieser Verantwortung einhergeht ist die konstruktive Kritik, insofern eine Aufgabe nicht richtig, nicht zur besprochenen Zeit oder unvollständig bearbeitet wurde. 

Zunächst sollte jedoch gesagt werden, dass Kritik selten persönlich gemeint ist und das Unternehmen zwar gewisse Erwartungshaltungen an den Praktikanten bzw. die Praktikantin haben, dass es aber grundsätzlich darum geht, die Person voranzubringen und ihr neues Wissen zu vermitteln, welches sie wiederum im Studium, aber auch im späteren Berufsleben anwenden kann. Man sollte sich also als Praktikant oder Praktikantin immer freuen Kritik zu erhalten, da diese bedeutet, dass man dem Unternehmen und seinen Mitarbeiter:innen wichtig ist und dass diese Potential sehen, dass man die Kritik auch umsetzen und sich somit selbst verbessern kann. Man sollte sich auch vor allem nicht nur als Instrument des Unternehmens sehen, sondern mal darüber nachdenken, was es einem selbst bringt, dieses Praktikum absolviert zu haben. Sei es ein Berufswunsch, ein Hobby oder „nur“ eine gute Bewertung in der Universität. Man sollte nie vergessen, dass das Praktikum neben der Unterstützung für das Unternehmen, vor allem einem selbst etwas bringt. 

Zu Beginn eines Praktikums gibt es meist noch keinen Anlass für Kritik. Es werden lediglich einige Hinweise und Empfehlungen ausgesprochen, um sich etwas besser in das Unternehmen und dessen Arbeitsweise einfinden zu können. Der oder die Verantwortliche kann es meist noch nicht wissen, hat es anders gelernt oder wollte etwas ausprobieren, was letztlich jedoch nicht funktioniert hat. Diese Form von konstruktiver Kritik ist, gerade zu Beginn, eher motivierend, da man selbst weiß, dass man es nur bedingt hätte besser wissen können. Im weiteren Verlauf des Praktikums kann es jedoch sein, dass man immer wieder dieselben oder ähnliche Aufgaben bekommt. Diese können im Laufe der Zeit anspruchsvoller werden oder man erhält die Möglichkeit, die Aufgaben Stück für Stück selbstständiger zu erledigen. Es müssen sich aber natürlich nicht alle Aufgaben zwingend wiederholen. Es ist jedoch der natürliche Verlauf, oder sollte es zumindest sein, dass die Anforderungen kontinuierlich gesteigert werden. So war es auch bei mir der Fall. Zu Beginn erhielt ich Zeit mich einzugewöhnen, aber mein Praktikum bei pāwaho geht eben auch nur sechs Monate, da zählt jeder Tag. Zudem kam hinzu, dass ich mich Stück für Stück mehr in das Team integrierte. Dies mag in anderen Unternehmen länger dauern oder etwas schwerer fallen, da mehr Mitarbeiter:innen angestellt sind und sich das Unternehmen über einige Abteilungen erstreckt, welche man nicht in ein paar Tagen durchlaufen und kennenlernen kann. In meinem Fall aber, in einem Unternehmen von gerade einmal zwei Mitarbeiterinnen, dauerte es nur einige wenige Tage, bis ich mich richtig wohl fühlte. 

Ich unterzeichnete sechs Wochen vor Beginn meines Praktikums den Vertrag und war seitdem sehr aufgeregt, wie mein halbes Jahr bei pāwaho wohl werden würde. Worin ich mir jedoch sicher war, war dass es für mich kein Problem darstellen würde, Kritik zu erhalten. Ich stellte mir vor, mit meinem Kolleg:innen am Tisch zu sitzen und das Problem in Ruhe zu besprechen und es dann nochmals gezeigt zu bekommen, bevor ich mit meiner Arbeit fortfahre. Aber so ist (und kann) die Realität in einem Start-up nicht (sein). Es herrscht Zeitdruck, Erfolgsdruck und vor allem aber auch einfach die Tatsache, noch ein Teammitglied mehr zu haben, welches mitarbeiten kann und das dann jedoch auch machen sollte. Das kommt nicht unbedingt nur durch das Unternehmen, vor allem kommt es durch einen selbst. Ich habe ja schon des Öfteren erwähnt, dass man sich nützlich machen möchte und das man die Arbeitsmoral bei den Kolleginnen sieht und deshalb mitziehen möchte. Was natürlich jedoch auch immer präsent ist, worauf ich bisher aber noch nicht eingegangen bin ist, dass die eigene Bewertung ebenso auf dem Spiel steht. Natürlich ist diese in Relation zum Bestand und Erfolg des Unternehmens nicht so relevant, jedoch für mich, die das Unternehmen vorher nicht kannte und nun dort angestellt ist für sechs Monate, ist meine Bewertung von einem hohen Stellenwert. Ich dachte viel an meinen Abschluss, an bisherige Projekte und Themen, mit denen ich mich bisher im Rahmen meines Studiums auseinandergesetzt haben müsste. Ich fühlte mich jedoch durch mein Studium gut vorbereitet und hoffte darauf, gut mithalten zu können.

Zu Beginn meines Praktikums bearbeitete ich einige kleinere Aufgaben und war hauptsächlich damit beschäftigt, mich in die verschiedenen Programme und Plattformen einzuarbeiten. Dabei erhielt ich lediglich einige kleine Hinweise. Im Laufe der ersten zwei Wochen war ich jedoch direkt mit einer größeren Aufgabe vertraut gemacht worden, welche mir etwas mehr abverlangte. Und die Realität war, dass ich sie nicht perfekt ausführen konnte. Ich war mit dem Thema nicht vertraut, sowohl privat als auch im Studium war ich damit bisher nicht in Kontakt gekommen. Dennoch wollte ich diese Aufgabe unbedingt selbstständig lösen und nur bedingt auf Feedback und Hilfe von Hanna und Lena zurückgreifen. Der Prozess dauerte wesentlich länger, als er hätte dauern müssen und ich war zum Teil wirklich sehr frustriert. Im Nachhinein denke ich mir, dass das keine Fähigkeit ist, welche jeder Mensch automatisch können muss, aber irgendwie denkt man ja doch, dass man alles (oder wenigstens ein großer Teil dessen) was im Praktikum auf einen zukommt, irgendwie im Studium schon mal gehabt haben muss. Ich bekam immer sehr gutes Feedback und viel Lob, aber dennoch wusste ich ja, dass ich gerade enorm Zeit koste und mittlerweile schon ganz andere Aufgaben bewältigt haben könnte. Als die Aufgabe beendet war, dachte ich zugegebenermaßen, dass nun nichts mehr auf mich zukommen würde, was ich nicht bewältigen konnte.

Ich erhielt im Laufe meines Praktikums natürlich häufiger konstruktive Kritik, welche mir geholfen hat, das beste aus mir selbst und meiner Arbeitsweise herauszuholen. Insofern man dann selbstständig arbeitet und die Aufgaben schließlich einreicht zur Freigabe, ist es ein normaler Prozess, dass es dabei zu Verbesserungswünschen kommen kann. Jedoch stresste es mich zunehmend, dass ich häufig mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeitete und diese abschloss und dann wieder Feedback erhielt und mich wieder diesen Aufgaben widmete, dann währenddessen für eine andere Aufgabe Feedback erhielt und so weiter. Ich bin nur sehr bedingt multitaskingfähig und mich übermannt schnell ein Gefühl der Überforderung, wenn ich mehrere Aufgaben vor mir habe, die alle erledigt werden müssen und an denen ich mehr oder weniger gleichzeitig kleinere und größere Änderungen vornehmen muss. Und für mich am schlimmsten ist dann in solchen Momenten, dass ich alle Aufgaben erledige und somit für mich abschließe, dann Änderungen an diesen Aufgaben vornehme und dann mich wieder auf eine neue Aufgabe konzentrieren muss obwohl ich weiß, dass zu der vorherigen Aufgaben nochmal Feedback kommen könnte. Es ist nur logisch, dass ich zwischen einzelnen Aufgaben nicht einfach nur tatenlos rumsitzen und darauf warten kann, dass ich Feedback bekomme, dennoch kann ich schlecht mehrfach umdenken und gerate so in Stress. Geholfen hat mir dabei, mir für jeden Tag gewisse Aufgaben vorzunehmen und diese anhand einer Liste kontinuierlich abzuarbeiten. Ich habe dann nur in Notfällen, wie z.B. dass eine Aufgabe schnell erledigt werden musste, von meinem Plan abgesehen und diese erledigt und sonst meine Themen abgearbeitet. Dennoch war es hilfreich für mich, die Aufgaben, zu denen ich Feedback benötige, mir immer wieder vor Augen zu führen und eine kleine Notiz für mich selbst zu hinterlassen, dass ich diese Aufgabe womöglich nochmal bearbeiten muss.

Was mir vor allem sehr geholfen hat, ist zwischen mehreren Formen der konstruktiven Kritik zu unterscheiden. Dabei stellt sich erstmal grundsätzlich die Frage: ist es Kritik, ein Hinweis, eine Empfehlung oder einfach eine andere Sichtweise, die geäußert wird?

Kritik unterscheide ich insoweit, ob es dabei um den jeweiligen Geschmack einer Person geht, um technische Kritik, bei der etwas nicht gut umgesetzt wurde oder Kritik, bei der ich es nicht besser wissen konnte. Grundsätzlich nehme ich mir jede Kritik zu Herzen, versuche aber dennoch zwischen diesen drei Kategorien zu unterscheiden. Dies unterstützt mich dabei, die Kritik nicht allzu sehr an mich ranzulassen und mir vorzustellen, dass diese konstruktive Kritik jedem Praktikanten und jeder Praktikantin gesagt werden könnte. 

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