Kolumne Teil 4 – Vor- und Nachteile eines Praktikums in einem Start-up

Titelbild Kolumne Teil 4

Ein Praktikum in einem Start-up zu absolvieren, birgt sowohl viele Vor-, aber auch einige Nachteile. 

Dieser Teil meiner Kolumne soll der eigenen Abwägung dienen, ob man sich für ein solches Praktikum  bewerben sollte oder nicht. 

Zunächst einmal ist zu sagen, dass das, was ich hier schreibe, nur meine eigenen und bisherigen Erfahrungen sind. Ich habe mich weder mit jemandem darüber ausgetauscht, noch recherchiert, was andere Meinungen zu diesem Thema sind. Außerdem sind all diese Eindrücke natürlich auch abhängig von der Art, der Dauer und des Schwerpunktes des Praktikums. Auch der Ort und die Anzahl der Mitarbeiter:innen ist relevant. 

Ich mache mein Praktikum seit April 2021 bei pāwaho und befinde mich derzeit im vierten von sechs Pflichtpraktikumsmonaten. Ich habe bereits viel gelernt, dufte viele meiner Ideen einbringen, habe viele neue Leute kennengelernt und bereits eine große Entwicklung durchlebt. 

Meine wichtigsten Erlebnisse und Gedanke, Erfolge und Misserfolge teile ich im Rahmen dieser Kolumne mit euch. Und hier kommt Teil vier. 

Die Entscheidung über ein Praktikum wird häufig leichtfertig getroffen. Man selbst – und auch andere – denken, dass es ja nur um wenige Monate geht und es deshalb nicht ganz so wichtig sei, ob es einem persönlich gefällt oder im späteren Leben weiterbringt. Dass dies die völlig falsche Herangehensweise ist, bestätigt sich einem selbst, wenn man nach dem Praktikum keine Ahnung hat, ob dies nun der Beruf für den Rest des Lebens sein könnte und wenn man seiner eigentlichen Berufswahl kein Stück näher gekommen ist. Leider ist es dann zu spät.

Schulen integrieren mehrere Praktika in ihr Konzept, jedoch werden diese häufig nur leichtfertig beworben und von den Schüler:innen nur träge zur Kenntnis genommen. Steht dann das Praktikum an, haben viele Schüler:innen noch keine Recherche zu ihren Interessen und Möglichkeiten betrieben. Dann schleichen sie sich schnell in den Betrieb der Eltern oder Großeltern, um wenigstens irgendein Praktikum zu machen. Auch ich musste eine solche Erfahrung machen. Es war an sich letztlich gar kein schlechtes Praktikum, aber da ich niemals auch nur ansatzweise in Betracht gezogen hatte, in diesem Berufszweig zu arbeiten, hat es mich meinem Ziel – einen tollen Beruf zu finden und diesen nach meiner Schullaufbahn zu erlernen – natürlich kein Stück näher gebracht. Meine anderen Praktika – insgesamt waren es drei – habe ich dann sorgfältiger gewählt. Diese beiden Tätigkeiten gefielen mir außerordentlich gut und ich konnte mir gut vorstellen, einem dieser beiden Berufe nachzugehen. Nach der Schule hatte ich mich auch bei einem dieser Unternehmen beworben und die Stelle auch bekommen, schließlich entschied ich mich kurzfristig aber doch um.

Praktika sollten einen viel höheren Stellenwert in unserem Schulsystem haben. Es sollte sie häufiger geben und sie sollten auch in den Schulen intensiver beworben werden. So sollte dem entgegen gewirkt werden, dass Schüler:innen dieses Thema ignorieren und sich nur auf die Schnelle einen Praktikumsplatz suchen. 

Besucht man die Universität, hat man in den meisten Fällen entweder direkt vor Beginn des Studiums und/ oder während des Studiums ein Praktikum zu absolvieren. Aus Erfahrungsberichten weiß ich, dass einige diese Einstellung aus der Schule mitgenommen haben und sich auch im Studium keinen für sie relevanten Praktikumsplatz suchen. Natürlich sind der Bachelorabschluss an sich und die Noten am Ende für eine Anstellung entscheidend, aber immer mehr Menschen studieren und demzufolge haben auch immer mehr Menschen einen ähnlichen Abschluss. Es ist also wichtig herauszustechen. Entweder hat man außergewöhnlich gute Leistungen, engagiert sich in einem Verein oder hat eben einen tollen Praktikumsplatz. Ich habe es in meiner letzten Kolumne bereits erwähnt und es ist sicher kein Geheimnis, dass dies elementare Faktoren einer guten Bewerbung sind. Es werden sich einige vielleicht fragen, warum ich diese Kolumne schreibe und die Antwort ist: genau deswegen. Um diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Leser:innen Erfahrungen aus meinem Praktikum darzulegen. Dass dies nun zufälligerweise in einem Start-up stattfinden darf, kann für die Leser:innen doppelt interessant sein, denn so erhaltet ihr einen umfangreichen Einblick in ein Praktikum, welches so bestimmt nicht allzu viele bereits absolviert haben.

Doch kommen wir nun zu den Vor- und Nachteilen, die ein Praktikum in einem Start-up mit sich bringen kann.

Ein großer Vorteil ist natürlich, dass man alles von Anfang an mitbekommt. Die Gründung des Unternehmens (und in meinem Fall sogar der Unternehmen) liegt noch nicht lange zurück und so kann ich nahezu jeden Schritt einwandfrei nachvollziehen. Alle Erfolge aber auch alle Fehler, kann ich rückblickend betrachten und für mich mitnehmen. Und obwohl ich nicht vorhabe ein eigenes Unternehmen zu gründen, zeigt es einem vor allem wie wichtig Organisation, ein gutes Team, Kontakte, viel Leidenschaft und Motivation für die eigene Sache, ist. 

Der nächste große Vorteil ist die Offenheit von Hanna und Lena. Dies mag auch unter anderem an dem kleinen Team liegen, welches wir drei nun mal sind, und daran, dass Hanna und Lena ja sowieso einen Podcast führen, in dem sie über die Gründung ihres Unternehmens pāwaho sprechen, aber auch einfach an der Tatsache, dass das unglaublich wichtig für die Gründung eines Unternehmens ist. Viele Unternehmen sprechen mit den Praktikant:innen nicht über wesentliche Entscheidungen und Prozesse im Unternehmen. Dies kann ganz verschiedene Gründe haben und sich auf ganz unterschiedliche Weise auf die Arbeitsweise der Praktikanten auswirken. Ich spreche hierbei gar nicht von internen-Top-Secret-Firmengeheimnissen, sondern einfach von Erfahrungen der Mitarbeiter:innen und dem Weg, den das Unternehmen eingeschlagen hat und einschlagen wird. Diese Informationen nicht weiterzugeben führt dazu, dass sich Menschen irrtümlich für oder gegen ein Unternehmen entscheiden.

Der dritte Vorteil ist, dass man seine eigenen Ideen einbringen kann. Da Start-ups, wie der Name schon sagt, relativ am Anfang ihres Unternehmens stehen, sind viele der Strukturen noch nicht so festgefahren und man hat leichter die Möglichkeit, sich mit seinen Ideen einzubringen. Man sollte es hierbei als Praktikant:in natürlich nicht übertreiben, da die Gründer:innen meistens mehr Ahnung haben als man selbst, aber es kann hier und da auch sehr hilfreich sein, sich die ein oder andere Idee von jemand Außenstehendem zu holen. 

Start-ups sind auch viel unterwegs, vernetzen sich mit anderen Gründer:innen und probieren viele neue Sachen aus. Neues auszuprobieren und neue Leute kennenzulernen, zähle ich persönlich jetzt zwar nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber dennoch war es auch für mich bisher immer interessant, die Leute, mit denen sich Hanna und Lena austauschen, kennenzulernen. 

Kommen wir nun zu den Nachteilen. Auch wenn ich sehr zufrieden mit meinem Praktikum bin und mich rückwirkend auf keinen Fall anders entschieden hätte, gehört es zu dieser Berichterstattung auch dazu, die Nachteile zu benennen und zu erläutern. 

Der größte Nachteil ist, dass viel von dir erwartet wird. Ich weiß nicht genau, ob es wirklich viel ist oder ob man lediglich aus anderen Praktika in größeren Betrieben gewohnt ist, dass man auch mal den ein oder anderen Tag nichts machen kann, ohne dass es Konsequenzen gibt. In einem größeren Betrieb, wo alle anderen Angestellten ihre eigenen Aufgaben zu bewältigen haben, hat nicht immer ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin sofort Zeit für den oder die Praktikanten bzw. Praktikantin. So kann es vorkommen, dass man nur wenig bis gar nichts zu tun hat. Dennoch ist natürlich pünktlich Schluss und der oder die Praktikant:in geht guten Gewissens nach Hause, weil man es ja sowieso nicht ändern konnte. Dies ist bei einem Praktikum in einem Start-up anders. Natürlich hat man auch hier nicht jeden Tag gleich viel zu tun, aber dennoch gibt es ein Pensum, welches erfüllt werden möchte. Vor allem spielt eine große Rolle, wie die Mitarbeiter:innen selbst für ihr Unternehmen arbeiten. Trinken diese den ganzen Tag nur Kaffee und „brainstormen“, ist man selbst natürlich auch nicht sehr motiviert und unterstützt deshalb nicht so, wie man eigentlich sollte. Hat man jedoch solche Kolleginnen wie ich, die rund um die Uhr arbeiten und alles für ihr Unternehmen geben, dann ist man selbst auch sehr angespornt, so viel und so gut wie möglich mit anzupacken. Aber gerade das, was eigentlich so toll ist, ein Team, welches sich gemeinsam für ein übergeordnetes Ziel stark macht, dass ist auch das, was an einem zehrt und einen sehr anstrengt. Für die Uni hat man auch viel zu tun. Man schreibt Hausarbeiten, lernt für Prüfungen und muss in Gruppen an einem Projekt arbeiten. Aber dennoch ist es eine völlig andere Situation, als plötzlich nahezu Vollzeit zu arbeiten (bei mir sind es 35 Stunden die Woche). Wenn dann noch Unifächer inklusive Gruppenarbeiten und Hausarbeiten hinzukommen, ist man schnell sehr unter Druck. Hinzu kommt, dass man sieht, wie viel die Kolleginnen leisten und das man selbst gerne ebenso mitziehen würde. Aber selbstverständlich weiß man noch nicht so viel wie die Gründer:innen des Unternehmens und muss häufig Fragen stellen und macht zahlreiche Fehler. Ich bin nicht so kritikfähig und das ist nur einer der Gründe, warum es mich so nervt, wenn ich einen Fehler mache und so unnötig Zeit- und vielleicht sogar Kostenaufwand verursache. Ich weiß, dass es dazugehört und dass es auch völlig normal ist, aber viele Sachen in einem Start-up sind limitiert. In erster Linie natürlich Geld, aber auch Zeit, bis etwas fertig sein muss oder andere Ressourcen. Außerdem muss man mit einer rasanten Entwicklung des Unternehmens Schritt halten, was auch so seine Hürden mit sich bringt. Ein alt eingesessenes Unternehmen macht für gwöhnlich keine großen Schritte mehr. Entweder der Standard wurde erreicht oder nicht, aber es werden meistens keine großen Entwicklungen folgen. In einem Start-up ist fast jeder Schritt ein großer, denn viele dieser Schritte wurden noch nie gemacht. 

Alle weiteren Nachteile eines Praktikums in einem Start-up, ergeben sich aus diesem übergeordneten Nachteil. Folglich kommen Zeit- und Erfolgsdruck, das Bedürfnis immer erreichbar zu sein und die Angst, etwas Wesentliches verpassen zu können, hinzu. 

Letztlich muss jeder für sich selbst diese Entscheidung treffen. Ich für meinen Teil kann es jedoch nur empfehlen. Die neuen Dinge, die man lernt, die Verantwortung, die man trägt und die Ergebnisse, die man daraus mitnimmt, helfen einem im späteren Leben weiter und bereiten einen auf das Berufsleben vor. Doch was man dann daraus macht, muss jeder für selbst herausfinden. 

Author
Johanna

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