Praktikum im Startup Gründungsgeflüster

Kolumne Teil 2 – Sieben Wochen im Pop-up-Store in Erfurt

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Lena

Für gewöhnlich sind Praktikant:innen in seinem bzw. ihrem Praktikum entweder in dem ausgewählten Unternehmen oder sie arbeiten von Zuhause aus. Dass Praktikant:innen die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit ihren Arbeitnehmer:innen einen Laden zu eröffnen, ist eher selten. Während meines Praktikums bei Gründungsgeflüster erhielt ich diese Möglichkeit. 

Meine habe sowohl die Möglichkeit Aufgaben bei pāwaho zu übernehmen, als auch über Gründungsgeflüster darüber zu berichten. So habe ich die Möglichkeit, Teil beider Unternehmen zu sein, wobei die Arbeit für pāwaho den größeren Part einnimmt. Meine Erlebnisse und Gedanken dazu dokumentiere ich dann in dieser Kolumne. Viel Spaß beim Lesen!

Als ich mein Bewerbungsgespräch mit Hanna hatte, sagte sie mir bereits, dass sie und Lena mit ihrem Unternehmen pāwaho für einen Monat einen Pop-up Store in der Innenstadt Erfurts beziehen werden. Ich war von der Idee und der daraus resultierenden Verantwortung und den neuen Aufgaben absolut begeistert und hoffte, so gut es geht in dieses Projekt integriert zu werden. Als ich dann die ersten beiden Wochen meines Praktikums absolviert hatte, legten wir einen Tag bei Hanna ein, in dem wir alle wesentlichen Details und anstehende Aufgaben besprochen und verteilt haben. Es war spannend zu sehen, woran man alles denken muss. Man denkt zunächst eher grob darüber nach und einige Dinge sind völlig klar. Ich brauche ein Produkt, schönes, ansprechendes Inventar, welches zu meinem Produkt passt und eine Kasse. Themen wie GEMA-Gebühren, Beleuchtung, Schaufenstergestaltung und Außenreklame kommen einem erst so nach und nach in dem Sinn. Und schlussendlich kommen Regale anbringen, die richtige Produktplatzierung und passende Dekoration dazu. Hinzu kommt, dass diese Aufgaben nicht nur von uns als Team ausgeführt werden müssen, sondern es muss auch die Dokumentation für Gründungsgeflüster erfolgen. Dort wird der gesamte Gründungsprozess und alle damit verbundenen Arbeitsschritte festgehalten. In all diese Prozesse so eingeweiht zu sein, macht mich wahnsinnig stolz. Das auch ich, als Praktikantin, wesentliche Entscheidungen treffen und Verantwortung für den Laden tragen durfte, war sehr aufregend für mich. Dazu zählen ja nicht nur unsere Produkte, sondern auch die unserer Partner. Außerdem kam hinzu, dass unsere Produkte sehr emotional behaftet sind. Es geht hierbei nicht nur darum, wer im Laden am meisten verkauft, sondern um eine umfangreiche Beratung und den richtigen Umgang mit den Vierbeinern der Kund:innen. Manchmal gehört leider auch Seelsorge dazu, falls es sich um ein bereits verstorbenes Tier handelt. Außerdem ist jeder Kunde bzw. jede Kundin, aber auch deren Hunde völlig verschieden. Die Kund:innen haben gänzlich andere Herangehensweisen an die Ernährung, das Training und den allgemeinen Umgang mit ihrer Fellnase. Und so hat man als Beraterin die Aufgabe, sich auf jede dieser Arten einzulassen und dementsprechend verständnisvoll und professionell zu reagieren. Die anhaltende Corona-Pandemie spielt hier natürlich auch noch mit hinein. Wie verhalten sich die Kund:innen, die zu pāwaho gehen, kommen sie allein oder mit ihren Vierbeinern in den Laden, wie aufgeschlossen sind sie derzeit für Beratung? All diese Fragen beschäftigten mich lange Zeit, bevor es losging. Zu sehen, wie viel Arbeit, Zeit und Geld in so einen Laden gesteckt werden muss, den man dann nach vier Wochen wieder verlassen muss, hatte zur Folge dass, obwohl man die Zeit im Laden lediglich als Test nutzen wollte, jeder Handgriff stimmen musste, um diese Chance optimal genutzt zu haben. 

Hanna, Lena und ich besprachen zunächst alle Aufgaben, die bis zur Eröffnung am 26.04. noch auf uns zukommen würden. Auch ich sollte einige wichtige Aufgaben übernehmen. Ich war stark eingebunden in die Konzeption des Ladens, die Außenkommunikation und das Marketing. Dies beinhaltete u.a. den Dreh und Schnitt eines YouTube-Videos. Bis alles stimmte, die Farben zueinander und zur Einrichtung passten und alles logisch und verständlich war, dauerte es bis Donnerstag vor Ladeneröffnung. Durch den Verkauf der pāwaho-Produkte für Tiere durften wir regulär öffnen. Das war schon eine große Erleichterung nach so viel Vorbereitung – sowohl in Bezug auf die Aufgaben als auch mental. Dennoch blieb bis zuletzt die Frage: Darf der Laden denn wirklich öffnen? 

Am Sonntag räumten wir den Pop-up Store ein. Hanna und Lena fingen bereits Samstagabend an, aber ich sollte erst Sonntag früh dazukommen. Wir räumten ein, bauten auf, brachten die Folierung für das Schaufenster an und putzen. Während ich Sonntag gegen 19 Uhr nach Hause gehen durfte, blieben Hanna und Lena noch bis 23 Uhr dort und dekorierten den Laden. 

Als ich Montag früh dann in den Store kam, war ich schlichtweg sprachlos. Es hatte sich über Nacht noch so viel getan und sah nun aus wie ein richtiger Laden – vielleicht sogar noch ein bisschen besser. Der Laden durfte zwar öffnen, dennoch wollten wir wegen der Pandemie keine große Ladenöffnung feiern. Punkt 10 Uhr wurde mit einem Glas Sekt angestoßen und es wurde sich auf viele Kund:innen, interessante Gespräche und einfach eine tolle Zeit gemeinsam im ersten „eigenen“ Laden gefreut.

Rückblickend war der Beginn etwas holprig, aber zu dem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass es nicht besser laufen könnte. Der Laden sah wunderschön aus, hatte ausschließlich tolle Produkte im Sortiment, die Kund:innen schauten neugierig ins Schaufenster. Doch nach einem Tag mit nur sehr wenig Kundschaft, realisierten wir, dass die Kund:innen scheinbar nicht wussten, dass sie auch zu uns in den Laden reinkommen dürfen. Viele der Passanten und Passantinnen schossen Fotos, winkten uns zu oder studierten minutenlang unser Schaufenster, doch gingen schließlich weiter. Im Gespräch mit einigen Kund:innen offenbarte sich uns, dass sie aufgrund der aktuellen Situation, sich nicht sicher waren, ob sie den Laden betreten dürften oder nicht. Aber nachdem wir einen zusätzlichen Aushang dazu gestalteten und uns ein paar Tage eingelebt hatten, realisierten viele Kund:innen, dass sie in unserem Laden herzlich willkommen sind. Zu sehen, wie sehr dies die Passant:innen freute und dass die meisten von ihnen sofort in den Laden kamen, war wunderbar. Es kamen nun vermehrt Menschen mit und ohne ihre Vierbeiner herein, welche von dem Geschäft gehört oder es im Vorbeigehen gesehen hatten. Der Austausch mit den Kund:innen machte mir von Anfang an viel Spaß. Alle reagierten so positiv auf die Produkte und stellten viele Fragen zum Unternehmen, zur Produktentwicklung und zu unserer Motivation. Einmal mit den Kund:innen ins Gespräch gekommen, erzählten wir auch von unserem zweiten Unternehmen, Gründungsgeflüster, und erklärten, welche Rolle es neben pāwaho spielte. Vor allem lobten die Kund:innen die schöne Idee und das großartige Endprodukt von pāwaho. Es motivierte und inspirierte uns täglich, wie die Kund:innen das Produkt und auch uns, als Gründerinnen (ja, laut Hanna soll ich auch an die Stelle immer von „uns“ als Team sprechen ;)) wahrgenommen haben. Jeder Kunde und jede Kundin brachte die Entwicklung der Marke pāwaho mit ihren Fragen und Anmerkungen ein Stückchen weiter. Bald bemerkten wir, welche Produkte sie bevorzugten, welche Leckerlis sie am meisten ansprachen und was weitere Wünsche unserer Zielgruppen sind. Wir versuchten diese neuen Erkenntnisse, soweit es ging, Stück für Stück zu integrieren, um uns stetig zu verbessern. 

Meine Aufgaben variierten täglich. Ich hatte keine typischen Praktikantenaufgaben zu erledigen. Ich bekam nichts als Aufgabe, was Hanna und Lena nicht auch selbst gemacht hätten. Ich beriet viele Kund:innen, stocke das Sortiment auf und tätigte die Nachbestellungen für die Produkte unserer Partner. Aber wir arbeiteten nicht nur im Laden sondern wir hatten dort auch unser gemeinsames Büro. So konnten wir beide Arbeiten verbinden, die Arbeit für pāwaho im Laden, als auch die Dokumentation darüber bei Gründungsgeflüster. Dadurch war es möglich, dass ich meinen regulären Aufgaben nachgehen konnte, die Zeit im Store medial begleiten und sogar hier und da ein Treffen mit Leuten aus der Uni wahrnehmen konnte. Da ich parallel neben dem Praktikum bei Gründungsgeflüser noch einige Unikurse belege, muss ich mich zwar gut strukturieren aber habe dadurch, dass das Praktikum größtenteils im Home Office stattfindet und wir im Pop-up Store unser Büro eingerichtet hatten, kein Problem, dies zu kombinieren. So war jeder Tag anders und es wurde nie langweilig. Vor allem die Kombination der Tätigkeiten von pāwaho und Gründungsgeflüster machte mir am meisten Spaß. 

Da wir von Montag bis Samstag geöffnet haben, arbeitete ich von Mittwoch bis Samstag im Laden. Montag hatte ich frei und Dienstag verbrachte ich im Home-Office. Dort versuchte ich einige Themen aufzuarbeiten, für die ich im Laden keine Zeit hatte. Hauptsächlich handelte es sich dabei um das Schreiben von Beiträgen oder dieser Kolumne, aber auch Recherchearbeit. Mittwoch und Donnerstag war ich dann mit Hanna allein im Store und Freitag und Samstag mit Lena. Dadurch, dass ich an diesem vier Tagen jeweils völlig andere Aufgaben übernahm, lernte ich in dieser Zeit sehr viel dazu. Ich lud neue Produkte auf der Website hoch, aktualisierte die Bestandsliste,  insofern jemand etwas kaufte oder wir neue Ware bestellten, bespielte die Website mit einer völlig neuen Kategorie (pāwaho hat jetzt nämlich auch T-Shirts;)), erstellte einen Newsletter, drehte und schnitt Reels für Instagram. So lernte ich viele neue Apps und Programme kennen, die ich sowohl für die Uni als auch privat nun nutzen kann. Wen die Gestaltung und Strukturierung der pāwaho-Onlineshops interessiert, für den ist Folge 2.3 des Podcasts Gründungsgeflüster „Willkommen im E-Commerce“ bestimmt auch spannend. Dort reden Hanna und Lena über das Programm, welches sie dafür nutzen und über dessen Vor- und Nachteile. Auf der anderen Seite recherchierte ich viel über potenzielle Messen, auf denen wir zukünftig unsere Produkte ausstellen, über einen neuen Partner, den wir eventuell in das Repertoire von pāwaho mit aufnehmen und wie wir unsere Außenwirksamkeit steigern könnten. 

Als wir bereits einige Zeit im Laden waren, erfuhren wir, dass die nachfolgenden Ladenbesitzer:innen aufgrund von Covid-19 eventuell nicht öffnen dürften und diese somit abgesprungen waren. Wir ergriffen unsere Chance und verlängerten unsere Zeit im Laden auf sieben Wochen. Die Kund:innen kamen nun immer häufiger zu uns, manche sogar mehrfach und kauften Produkte von pāwaho und die unserer Partner. Auch wenn die Zahl der Kundschaft täglich schwankte, konnten wir vollkommen zufrieden sein. Es war auch keine leichte Aufgabe, den vielen Bestellungen gerecht zu werden. In jedes der Produkte von pāwaho investiert das Team viel Zeit, Arbeit und vor allem Leidenschaft. Diesen Standard zu halten und teilweise sogar noch durch die Spezialwünsche einiger Kund:innen zu erhöhen, war eine große Herausforderung. Manche Kund:innen wollten bereits nach einem Tag ihr tierisches Unikat abholen, andere wiederum wollten mehrere Hunde oder ein ganz und gar anderes Motiv. Dazu kam, dass nahezu alle Kund:innen die Option, bei der wir den Patch direkt auf den Hoodie bügeln und nähen, annahmen. Auch dies kostete viel Zeit. Aber bei jedem fertigen Hoodie waren wir begeistert und voller Stolz, den Kunden und Kundinnen so ein großartiges Produkt übergeben zu können.

Nach erlebnisreichen sieben Wochen, rückte der Tag des Auszugs immer näher. Lena, Hanna und ich konnten es nicht glauben, dass die Zeit so schnell verging und dass wir nun den Pop-up Store ausräumen mussten. Wenn man so viel Liebe und Arbeit in einen Laden steckt, ist es umso schwieriger, diesen wieder zu verlassen. Obwohl wir wussten, dass es nach einiger Zeit dazu kommen würde -und wir unsere Zeit dort verlängern durften, wofür wir sehr dankbar sind- wurde unsere Laune von Tag zu Tag etwas sentimentaler.

Samstagabend, am 12.06., begannen wir mit dem Ausräumen des Ladens. Es kamen einige Freunde von Hanna und Lena zum Helfen und so hatten wir einen lustigen Abend, trotz des Anlasses. Hanna und Lena hatten viel Essen und Trinken vorbereitet, sodass wir im Anschluss uns alle gemeinsam in den Innenhof gesetzt haben, gemeinsam aßen und die letzten Wochen des ersten Kapitels “pāwaho im Pop-up Store” Revue passieren ließen.

Zwei Tage später, am Montag, fand wie jede Woche unser Teammeeting statt. Hanna hatte eine großartige Präsentation vorbereitet, in der sie die Auswertung dieses Projekts festgehalten hatte. Es war eine tolle Möglichkeit zu sehen, was wir in dieser Zeit erreichen konnte und es machte mich umso stolzer, davon ein Teil gewesen sein zu dürfen. 

Und was das Beste daran ist, wir dürfen mit pāwaho erneut für vier Wochen in den Pop-up Store. Am 09.08. geht es erneut für uns los. Bis dahin müssen wir noch weitere Daten auswerten, neue Produkte für pāwaho austesten und viele neue Themen planen. 

Ich freue mich auf dieses nächste aufregende Kapitel und vor allem darüber, diese tolle Erfahrung noch einmal machen zu dürfen!

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